Ist dies vielleicht das Erbe Hollywoods und des Terminators („Sie wurden als Ziel zur Vernichtung ausgesucht!“)? Natürlich kennen wir alle die Befragungen, nach denen die Zahl derer, die sich mit dem KI-Einsatz beschäftigen, spürbar ansteigt. Aber wer mal konkret auf Veranstaltungen oder bei Vorträgen zum Thema KI-Einsatz nachfragt, stellt fest, dass nicht einmal 30 Prozent KI im Unternehmen wirklich einsetzen. Nicht mal ein Drittel!
„Das ist mir zu aufwändig und zu kompliziert!“
Zugegeben: Begriffe wie GenAI, Prompt, LLMs etc. wirken auf den ersten Blick verwirrend und komplex. Damit muss man sich beschäftigen, um es zu verstehen. Aber gerade der Mittelstand ist sehrmit dem operativenGeschäft beschäftigt und hat gar keine Ressourcen für den Einstieg in KI. Infolgedessen fehlt das Knowhow, was KI konkret macht, warum es funktioniert und was das kostet. Und jetzt kommt der EU AI Act… auch das noch! Noch etwas, womit man sich auskennen soll, ehe man KI einsetzt. Also besser lassen? Tatsächlich haben sich laut der aktuellen „Trend-Studie Contact Center“ eine Mehrheit der Befragten bislang wenig bis gar nicht mit der KI-Verordnung beschäftigt. Viele kennen nicht mal den Unterschied zwischen dem EU AI Act und der DSGVO und – Überraschung! - wissen gar nicht, dass man sogar beide einhalten muss. Bei all dem Aufwand ist KI also etwas, so scheint es, wofür nur Großunternehmen Zeit und Geld haben… Stopp! Falsch gedacht! Gerade kleine Unternehmen brauchen KI. Der Einsatz von KI lohnt sich nämlich bereits ab zwei Mitarbeitern, versprochen!
KI-Einsatz: Symbiose statt Konkurrenzkampf
Beim KI-Einsatz geht es nicht um ein „Entweder-Oder“ zwischen Mensch und Maschine. Nein, Mensch und KI sind eine symbiotische Einheit: KI kann riesige Datenmengen in Sekundenbruchteilen analysieren, Standardprozesse automatisieren. Der Mensch punktet bei Empathie und Kreativität und ist bezüglich der strategischen Verantwortung und der Entscheidungsfindung unverzichtbar. Die Zusammenarbeit von Mensch und KI kann völlig neue Kundenerlebnisse schaffen, unnötige Wartezeiten vermeiden, Mitarbeiter unterstützen und sie von öder Routine entlasten.
Aber KI kann keine Empathie. Wir erinnern uns alle an die frühen Bots, die man zum Gesprächseinstieg gefragt hat „Bist Du ein Bot?“ um zu erfahren, wie schlimm das Kundenerlebnis wird. Das konnte nicht gutgehen. Und niemand will von einem Bot Sätze hören wie „Das tut mir leid!“ Nur einem Menschen tut etwas leid. Und nur er kann eine falsche Entscheidung korrigieren. Damit ist klar, dass ein Unternehmen niemals die gesamte Kundenkommunikation einem Bot überlassen sollte. Vielmehr braucht es Mitarbeiter als Helfer der KI, den "Human in the loop", der eingreift, wenn etwas falsch läuft.
Amerika innoviert, China kopiert, EU reguliert…. und wir?
In der aktuellen Wirtschaftskrise geht es auch um die Zukunft des Innovationsstandorts Deutschland. Ein Blick auf die geopolitische Lage zeigt, wie megawichtig das ist. Es ist dringend Zeit, dass wir uns auf uns selbst besinnen. Aber da hört man dann ständig: Im internationalen Vergleich investieren wir nicht genug. Der Staat gibt nicht genug Geld. Aha. Aber was ist mit so „Nebensächlichkeiten“ wie Innovationsgeist, Mut, Entschlossenheit, Willenskraft, Ideenreichtum? Selbst mit allem Geld der Welt kann man das gar nicht kaufen. Und warum schauen wir ständig, was alle anderen machen?
Vielleicht sollten wir lieber unseren eigenen Weg finden, uns spezialisieren und genau die Lücke finden, die uns als Wirtschaftsstandort wieder stark macht. Wir müssen nicht das machen, was alle anderen auch schon machen. Wir brauchen nicht noch mehr vom Gleichen, sondern was Anderes. Mein Aufruf daher: KI ist nicht so komplex, wie man anfänglich denkt. Es ist nie verkehrt - und auch gar nicht so schwer - sich mit Themen wie Generative AI, Prompts und LLMs zu beschäftigen. Wenn man erstmal damit anfängt, merkt man, dass das alles Sinn ergibt. KI ist nicht mehr und nicht weniger als die Dampfmaschine der Zukunft. Also fangt einfach an.
Autor: Rainer Holler, VIER CEO